Wenn sich alles dreht:

Zu den Klassikern des organisch bedingten Schwindels gehören:

  • der nur einige Sekunden dauernde Lagerungsschwindel, der beim Umdrehen im Liegen auftritt
  • tage- oder sogar wochenlanger Dauerschwindel, der entsteht, wenn in einem Ohr das Gleichgewichtsorgan ausfällt
  • Morbus Ménière, ein aus heiterem Himmel auftretender Schwindelanfall, dem eine Schädigung des Innenohres zugrunde liegt.

Schwindel kann auch Ausdruck seelischer Probleme sein, zum Beispiel bei Konflikten am Arbeitsplatz.


Bereiten Sie sich auf den Arztbesuch vor und überlegen Sie, wie Sie Ihre Schwindelanfälle am besten beschreiben können.

Der Arzt will unter anderem wissen:

- Handelt es sich um einen Dreh- oder Schwankschwindel oder liegt eher ein   

  Unsicherheits- oder Schwächegefühl vor?

- Versuchen Sie sich an den ersten Schwindelanfall zu erinnern und ihn genau zu

  beschreiben. Wie lange dauerte der Anfall?

- Tritt der Schwindel gemeinsam mit anderen Symptomen auf, zum Beispiel 

  Hörstörungen, Ohrgeräuschen, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Lähmungen, 

  Herzstolpern, Ängsten?

- Welche Medikamente nehmen Sie ein?

 

Nach dem Gespräch werden in der Regel die Stand- und Gangsicherheit geprüft und Ihre Reaktionen (vor allem die Augenbewegungen) in Seiten- und Rückenlage mit der Leuchtbrille beobachtet (Lagerungsprüfung nach Dix-Hallpike). Es folgen Hörtests, der Kopf-Impuls-Test (nach Halmagyi-Curthoys) die Blick-Pendelprüfung und die Kalt-Warm-Spülung der Ohren (kalorische Gleichgewichtsprüfung zur Überprüfung der Funktion des lateralen Bogenganges).  In seltenen ausgewählten Fällen können wir auch den kalorischen Wendetest durchführen. Dabei wird der Patient in der Phase der stärksten kalorischen Erregung von der Rücken in die Bauchlage gelegt, dreht sich dabei der Nystagmus nicht um, kann daraus auf Störungen in Teilen des peripheren Gleichgewichtsorganes (Utriculus) geschlossen werden. Vestibulär Evozierte Myogene Potentiale (VEMP´s) und die Bestimmung der subjektiven Vertikale sind weitere neurootologische Untersuchungen, die bei Störungen von Sacculus und Utriculus auffällig sein können.

 

Es gibt zahlreiche Arten von Schwindel (Auswahl siehe unten). Etliche Medikamente können beispielsweise Schwindel auslösen. Migräne, Parkinson, Multiple Sklerose, ein Schlaganfall im Hirnstamm, Kleinhirn, Läsionen am Übergang vom Temporal- zum Parietallapen oder ein Hirntumor kann dahinterstecken. Manchmal kündigt sich ein Schlaganfall an. In seltenen Fällen kann auch eine abgenutzte Halswirbelsäule die Symptome verursachen. 

Schwindelpatienten suchen in ihrer Not viele Ärzte und Spezialisten auf, um so wichtiger ist es, frühzeitig und fachübergreifend die richtigen Weichen zu stellen. Noch komplizierter wird es, wenn der Schwindel zwar organisch verursacht ist, aber die Psyche das Erlebnis von körperlicher Unsicherheit  und dem Entschwinden der Sinne verstärkt. Angst und Panik kann so intensiv werden, daß es als Dreh- und Dauerschwindel erlebt wird.     


Bei älteren Patienten korreliert das Nachlassen des Gehörs häufig mit einer Verschlechterung der Gleichgewichtsfunktion. Also bitte nicht wundern, wenn wir bei Schwindel auch eine Hördiagnostik durchführen.


 

Symptome

Mögliche Erkrankung

Behandlung

Drehschwindel beim Umdrehen im Bett, Hinlegen, Aufrichten

Gutartiger Lagerungs-schwindel (Verlagerung von Ohrsteinchen)     

Lagerungsübungen

Schwindel beim Aufstehen,  Schwarzwerden  vor den Augen, evtl. Ohnmacht

Kreislaufproblem (kurze Minderdurchblutung des Gehirns)



Kurze Benommenheit, evtl. Ohnmacht

Herzrhythmusstörungen

Herzschrittmacher, Medikamente

Schwindelanfall mit Ohrgeräusch oder Hörstörung

Ménière-Krankheit, andere Ohrerkrankungen

in schweren Fällen Operation

Dauerdrehschwindel (zwei bis drei Wochen)

Ausfall des Gleichgewichts-organs in einem Ohr

Gleichgewichtstraining

Schwindel mit häufigen Kopfschmerzen

vestibuläre Migräne

Behandlung der Migräne (Streßbewältigung,       Medikamente, Akupunktur)

Schwindel in un-angenehmen Situationen

Angsterkrankung

Verhaltenstherapie

Unsicherheit beim Gehen mit Schwindelgefühl

Neurologische Erkrankungen (zum Beispiel Parkinson, Rückenmarkerkrankungen,       Schlaganfall)

je nach Grunderkrankung Medikamente, Krankengymnastik, Operationen


Therapie des chronischen Schwindels

Beim chronischen Schwindel handelt es sich in den meisten Fällen um ein multifaktorielles Unsicherheitsgefühl, welches oft mit zunehmenden Alter als Folge verschiedener Begleiterkrankungen und auch durch Medikamentennebenwirkungen auftritt. Die Behandlung dieser multifaktoriellen Schwindelformen besteht im Wesentlichen aus 4 Säulen: Positive Beeinflussung der Begleiterkrankungen, Reduzierung der Medikamentennebenwirkungen, Training der Gleichgewichtsfunktion und ggf. einer begeleitenden antivertiginösen Therapie.

(Vor allem bei der vestibulären Migräne und der Migräne vom Basilaristyp ist ein Therapieversuch mit Arlevert indiziert)

 

Prognose:

Während eine akute, einfache Schädigung des vestibulären Systems unter normalen Bedingungen innerhalb von Tagen und Wochen vom Hirn kompensiert wird, chronifizieren Schwindelbeschwerden deutlich häufiger, wenn eine komplexe Schädigung des gleichgewichtserhaltenden Systems vorliegt. Typische Auslöser sind Schlaganfälle und Schädel-Hirn-Traumata, aber auch der Schwindel des alternden Menschen kann zu einer verzögerten Kompensation und einer Chronifizierung von Schwindelbeschwerden führen.


Gutartiger Lagerungsschwindel:

Mit nachfolgendem Link können Sie sich eine App herunterladen, in dieser App ist u. a. ein Video zu sehen, in dem das Epley Manöver sehr gut gezeigt und erklärt wird.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass diese Übungen auch ohne Tebonin sinnvoll sind.

https://appadvice.com/app/tebonin-c3-bcbungen-gegen-schwindel/1216626155 


Für wen das zu kompliziert ist, hier eine sehr stark vereinfachte Variante zum ausdrucken.

Dateidownload

 

 

Tinnitus


mitunter bleibt in der Sprechstunde nicht genügend Zeit dieses umfangreiche Thema in Ruhe zu besprechen. Wenn Sie sich die nachfolgenden Dokumente ausdrucken, können Sie sich auf die Sprechstunde vorbereiten und wir können unser Gespräch effektiver gestalten. 

 

Dateidownload für Ausdruck



Tinnitus - kurz und knapp -


In der Regel verbirgt sich hinter einem Tinnitus keine schwere Krankheit. 

Es wird auch in absehbarer Zeit keine Medikamente gegen Tinnitus geben. Wenn Medikamente bei Tinnitus helfen, so haben sie einen Einfluß auf die Psyche (Antidepressiva, Anxiolytica). Die einzige anerkannte Therapie bei Tinnitus ist die Verhaltenstherapie (Aufklärung, Angst nehmen, alle Therapien, welche zu einer Entspannung führen). Bei einer gleichzeitigen Hörstörung können auch Hörgeräte zur Tinnitusverdeckung hilfreich sein.
  

 

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